Inszenierungen

33 BOGEN UND EIN TEEHAUS

nach dem Roman von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

Theater Bonn

Premiere: 21. Februar 2019, aktuelle Termine

Ich wünschte mir, ich würde mich in Luft auflösen, denn ich wollte nach Hause. Da aber stellte ich mir die Frage, wo mein Zuhause war. Und mir wurde bewusst, dass ich kein Zuhause hatte.

Mehrnousch lebt mit ihrer Familie in privilegierten und behüteten Verhältnissen im Iran der 1980er Jahre. Sie liebt ihre stolze Stadt Isfahan, besonders die Brücke der 33 Bogen, die sich im Wasser des Flusses Zayandeh Rud spiegeln, wo die Straßenhändler Eis und gebratene Maiskolben anbieten und man unterm Sternenhimmel in den Teehäusern sitzen und träumen kann. 
Doch nach dem Sturz des Schahs wird alles anders, der neue Machthaber errichtet eine Diktatur, in der die Menschen und alle Lebensfreude unterdrückt werden. Als der Krieg über Iran hereinbricht, trifft Mehrnouschs Familie eine folgenschwere Entscheidung. Heimlich und ohne Abschied verlassen sie Iran und machen sich auf einen kräftezehrenden, monatelangen Weg. Sie fliehen zunächst in die Türkei und  werden dann als Asylsuchende durch das geteilte Deutschland geschickt, bevor sie schließlich ein neues zu Hause finden. 

33 BOGEN UND EIN TEEHAUS handelt vom menschlichen Willen zu einem Leben in Freiheit und Selbstbestimmung und beschreibt in poetischen und sinnlichen Bildern Mehrnouschs individuelle Suche danach. Im Kontext der politischen Ereignisse der 1980er Jahre erzählt das Mädchen neugierig und staunend von endgültigen Abschieden und von großer Lebenslust, von metallischer Gewalt und von zarten Wurzeln.

Besetzung

mit: Soraya Abtahi, Martin Aselmann, Steffen Lehmitz, Ramona Suresh

Regie: Carina Eberle

Ausstattung: Karen Simon

Animation: Eszter Janka

Musik: Ögünc Kardelen

Choreografie: Ramona Suresh

Licht: Maximilian Urringshardt

Dramaturgie: Angela Merl

Regieassistenz: Riccarda Russo

Foto: Thilo Beu

Presse

Ihre sensible Inszenierung in der Werkstatt geht unter die Haut, obwohl sie sich viele anekdotisch heitere Momente gönnt. (…) Die Regie bleibt trotz aller emotionalen Verdichtung auf historisch-poetischer Distanz zur blutigen islamistischen Schauerdramatik und den üblen fremdenfeindlichen Reaktionen. Alles ist weiter so einfach kompliziert, dass Schulpflicht ein echtes Glück bedeutet. Auch das zeigt die Aufführung in pausenlosen knapp 90 Minuten mit viel spielerischem Witz und szenischer Fantasie. Nachdenklich bewegter Premierenbeifall.

Von Elisabeth Einecke-Klövekorn, Generalanzeiger Bonn, 25.02.2019

Regisseurin Carina Eberle inszeniert „33 Bogen und ein Teehaus“ nach dem Roman von Mehrnousch Zaeri-Estfahani. Die Inszenierung setzt einen gegenwartskritischen Impuls zur richtigen Zeit, indem sie die Fluchterfahrung einer Familie aus dem Iran begleitet, die versucht ihre Selbstbestimmung beizubehalten und gleichzeitig ein Heimatgefühl zu finden.“

Von Lena Weyers, Junge Bühne, Februar 2019